„Deutsch. Gesund. Jung. Wir haben auch Probleme“

„Deutsch. Gesund. Jung. Wir haben auch Probleme“

Sylvana Seddig in der TanzFaktur Köln am

Freitag, 23. Februar 2018, 20 h und Samstag, 24. Februar 2018, 20 h

 

Ankündigung des Veranstalters:

Sie haben Probleme? Wir auch!!! Wir sind deutsch. Wir sind gesund – an Körper und Geist. Wir sind jung. Und trotzdem bekommen wir die Welt nicht unter Kontrolle. Wir verursachen keine Probleme – wir haben sie.
„Deutsch. Gesund. Jung. Wir haben auch Probleme“ macht sichtbar, was den Kern unserer Probleme ausmacht: wir sind gespalten in Regierte und Regierende, in Arbeitende und Arbeitslose, in gebildete und Ungebildete usw. Es gibt uns und die Anderen.
Von Fall zu Fall werden sie auf die Bühne gezerrt: Arbeitslose, Flüchtlinge, Benachteiligte aller Art, Junkies, sogar Rechtsradikale. Statistenchöre sind en vogue. Es wird Brecht gespielt und der Neoliberalismus kritisiert: Elitäres Theater für Eliten, in dem die Anderen Gegenstand, aber nicht Adressat sind. Es wird über sie gesprochen, und sie werden benutzt. Aber wie viele von ihnen in den Theatersälen? Dass sie eine eigene Stimme in der Welt haben, die oft ignoriert wurde, lässt erschrecken. AfD-Wähler, Front National, Donald Trump oder Marine Le Pen als Leitfiguren allen Übels.
„Mit Deutsch. Gesund. Jung. Wir haben auch Probleme“ endet möglicherweise die wohlstandsbedingte Handlungsapathie. Eine Kriegsstrategie muss her, um in den Klassenkampf zu ziehen und diesen endgültig zu beenden.
Es spielen ein Tänzer (Juan Corres Benito), ein Schauspieler (Jan Viethen) und ein Keyboard. Klar definierte Körperhaltungen zeichnen die beiden Protagonisten als Zugehörige ihrer Klasse aus. Ihre Körper an sich verdeutlichen während des gesamten Stückes einen gesellschaftlichen Status, und die Körperlichkeit der beiden liest sich wie eine zweite Haut: Alles ist Bewegung, alles ist Tanz. Tanz ist kein solidarischer Raum mehr. Tanz im theatralen Kontext, ebenso wie Sprache sind Ausdruck unserer kulturellen Überlegenheit, die wir nicht als solche wahrnehmen, weswegen Tanz während des gesamten Abends präsent ist, ohne selbst thematisiert zu werden.

Zur Person (Anmerkung der Redaktion):

Sylvana Seddig ist in der Kölner Tanzszene keine Unbekannte: sie studierte zeitgenössischen Tanz an der ArtEZ Hogeschool voor de Kunsten, Arnhem. Danach lernte, spielte und performte  sie seit 2009 und bis 2015 beim ehemaligen Kölner Ensemble „bodytalk“ (aktuell im zweiten Jahr Residenzkünstler am Theater im Pumpenhaus Münster), das seit 2012 in der „Spitzenförderung Tanz“ des Landes Nordrhein-Westfalen ist. Seddigs erste eigene Choreographien konnten in Köln im Rahmen des Nachwuchsprogramms von Barnes Crossing entstehen.

(Halbe Sachen, TanzSylvanien) Die Besprechung von TanzSylvanien auf TANZweb finden Sie auszugsweise HIER.

Von | 2018-02-15T11:23:45+00:00 5. Februar, 2018|