Krefeld 2017-10-15T13:09:37+00:00
Highlights aus Krefeld

Bahorans Tanzsprache kann mehr als Hiphop

Shailesh Bahorans „Aghori“ zum Festival-Finale von „Move!“ Eine Nachtkritik von Bettina Trouwborst   Der Guru sitzt lange im Dunkeln. Der alte Mann hockt in seinem mönchskluftartigen Umhang am Boden, den Rücken zum Publikum, und blickt in den Nebel auf einen Hügel, der sich im Hintergrund abzeichnet. Es dauert ein Weilchen, bis sich auf der Anhöhe die schemenhaften Umrisse von Gestalten zeigen. Als es endlich hell wird, entpuppt sich der Berg als Schräge – für ein Hiphop-Ensemble die deutlich interessantere Spielwiese. Die mutmaßlichen Dynamiker allerdings hocken als blass geschminkte Ur-Menschen da, den Kopf tumb nach unten gerichtet. Ihre Oberkörper sind nackt, Bärte und Haare verfilzt. Die lautmalerische Klangcollage aus Knarzen, Klirren und anklingendem Hohngelächter passt vortrefflich zu diesem etwas unheimlichen [...]

Von | 26. November, 2017|

RÔNIN – MADE IN GERMANY

Takao Baba/E-Motion, Düsseldorf Videoimpressionen der Vorstellung vom 21.11. Dienstag ● 20 Uhr ● Studiobühne I Fabrik Heeder Choreographie: Takao Baba ● Performance: Takao Baba, Andrea Böge, Sefa Demirbas, Patrick Williams Seebacher und Rymon Zacharei In einer Performance zwischen House, Popping, Hip Hop, Tricking, Martial Arts und Zeitgenössischem Tanz gehen die fünf Tanzenden unterschiedlicher Herkunft der Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit unserer Einwanderungsgesellschaft nach sowie dem Gefühl der Verbundenheit mit dem Land, in dem man lebt. Was macht es aus, japanisch oder türkisch zu sein, gleichzeitig aber auch deutsch? Welche Klischees sind in unseren Köpfen? Mit musikalischen und sprachlichen Zitaten von Kraftwerk, Wagner, Goethe und deutschem Schlager entwirft die Compagnie spielerisch ein eigenes Deutschlandbild, um ihre ganz persönliche Verortung in [...]

Von | 23. November, 2017|

RÔNIN – MADE IN GERMANY bei „MOVE!“

Takao Baba/E-Motion aus Düsseldorf zu Gast in der Fabrik Heeder beim "MOVE!" Festival Eine kurze Nachtkritik von Klaus Dilger   HIER GEHT ES ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN DER VORSTELLUNG Mit Takao Baba und der Gruppe E-Motion aus Düsseldorf gastierte ein Ensemble mit mutmaßlichem Potential, das noch lange nicht ausgeschöpft scheint, in der ausverkauften Bühne der Krefelder Fabrik Heeder und erntete hierfür reichlich Beifall des altersmäßig erfreulich gemischten Publikums. Reichlich Humor und schöne Bewegungsideen wurden bisweilen zugeschüttet von doch sehr entwicklungsfähigem "Umherschreiten" der guten Performer, deren Arm- und Rumpfbewegungen an manchen Stellen inhaltsleer anmuteten und den einzigen Zweck zu verfolgen schienen, Raum und Zeit um die jeweiligen Soloparts herum zu füllen, die gleichzeitig stattfanden. Das ist ebenso schade  wie unnötig und schwächt [...]

Von | 22. November, 2017|

DIE WELT SCHLÄFT NICHT MEHR SO GUT…

Fabien Priovilles „How do you fear“ bei Move!“ in der Fabrik Heeder Eine Nachtkritik von Bettina Trouwborst Furchterregende Schreie dringen durch die Dunkelheit. Als würde eine Frau geschlagen. Dann ein Wimmern, ein Kreischen, ein Glucksen. Als würde ein Gespenst gefoltert. Hinter einem schwarzen Vorhang huscht etwas hin und her, stößt aggressive Kampflaute aus. Ein bisschen gruselig beginnt Fabien Priovilles neues Tanzsolo „How do you fear“ schon. Kurz nach der Uraufführung im Tanzhaus NRW in Düsseldorf gastierte es beim  Festival für zeitgenössischem Tanz „Move!“ in der Krefelder Fabrik Heeder. Ur-Ängste vor dem Unbekannten in der Dunkelheit aus früher Kindheit regen sich, aber auch Erinnerungen an gute alte Hitchcock-Krimis. Doch Priovilles Tänzerin, die hinter der schwarzen Stoffbahn hervorkommt, ist selbst von [...]

Von | 17. November, 2017|

VIDEOIMPRESSIONEN: HOW DO YOU FEAR?

fabien prioville dance company, Düsseldorf gefilmt am 16.11. 2017 ● Studiobühne I Fabrik Heeder   Konzept: Fabien Prioville und Maren Zimmermann ● Choreographie: Fabien Prioville ● Tanz: Gesa Piper Fabien Prioville wendet sich mit dieser Produktion seiner Auseinandersetzung mit modernen Projektionstechnologien zu, ähnlich wie er es bereits in seinem international erfolgreichen Solo „Jailbreak Mind“ getan hat. Die Untersuchung von Angst als eine Technik der Macht und ihre direkten und indirekten Auswirkungen auf den individuellen und gesellschaftlichen Körper stehen dabei im Mittelpunkt. Ein weiterer Ausgangspunkt ist dabei die Auseinandersetzung mit der historischen Figur Jeanne d’Arcs und ihre aktuelle Vereinnahmung durch unterschiedliche politische Strömungen in Frankreich, vor allem durch den rechtspopulistischen Front National. Das neue Stück mit Premiere am 8. November [...]

Von | 17. November, 2017|

Kollektives Trance-Erlebnis statt ästhetischer Tanzkunst

Arno Schuitemakers „I will wait for you“ beim Festival „Move!“ in der Fabrik Heeder Eine Nachtkritik von Bettina Trouwborst Mondbewohner? Unterwassermenschen? Oder Disco-Besucher in Trance? Die im Dunkeln vage erkennbaren drei Tänzer, die eng beieinander stehen, wirken schwerelos. Ganz sanft schaukeln ihre Schultern, ihre Gliedmaßen, ihre Leiber – wie Federn in einer lauen Brise. Ein leises, tickendes Geräusch dagegen drängt vorwärts. Doch nur millimeterweise bewegt sich das Trio im Raum. Eine knappe Stunde wird es dauern, bis die Dunkelheit vollständig dem Licht gewichen ist und die Gesichter dieser Tänzer-Persönlichkeiten klar zu erkennen sind. Ja, auch so kann man den Titel deuten: „I will wait for you“ des niederländischen Choreografen Arno Schuitemaker erobert sich Millimeter für Millimeter, Sekunde für Sekunde [...]

Von | 11. November, 2017|

In seiner Originalität ein durchaus  imposanter Abend

Arno Schuitemakers „I will wait for you“ beim Festival „Move!“ in der Fabrik Heeder Eine kurze Nachtkritik von Bettina Trouwborst Mondbewohner? Unterwassermenschen? Oder Disco-Besucher in Trance? Die vagen Umrisse dreier Tänzer, die eng beieinander stehen, wirken schwerelos. Ganz sanft schaukeln ihre Schultern, ihre Gliedmaßen, ihre Leiber – wie Federn in einer lauen Brise. Ein leises, tickendes Geräusch dagegen drängt vorwärts. Doch nur millimeterweise bewegt sich das Trio im Raum. Eine knappe Stunde wird es dauern, bis die Dunkelheit vollständig dem Licht gewichen ist und die Gesichter dieser Tänzer-Persönlichkeiten klar zu erkennen sind. Ja, auch so kann man den Titel deuten: „I will wait for you“ des niederländischen Choreografen Arno Schuitemaker erobert sich Millimeter für Millimeter, Sekunde für Sekunde Raum [...]

Von | 10. November, 2017|

„Flüchten oder Standhalten?“ – AURORA’S REDLINES IN DER FABRIK HEEDER BEI „MOVE!“

Ein Tanzstück für die Alarmgesellschaft Tanzwerke Vaněk Preuß, Bonn   Nachtkritik von KLAUS KEIL (von der Premiere in der Brotfabrik Bonn am 22.06.2017)   Was ist Rot? Schon klar, eine Farbe. Aber Rot ist mehr. Rot hat immer schon und in allen Kulturen auch eine symbolische Bedeutung, die bis in den Alltag hinein reicht und sich dort mit der realen Bedeutung vermischt. So steht Rot für Energie, Leidenschaft und Liebe (rote Rosen), wird aber auch als Rotlicht ganz praktisch zu Heilzwecken verwendet. Doch Rot schafft auch negative Assoziationen. Da sieht jemand Rot oder jemand wird rot vor Wut. Rot signalisiert Gefahr. Die reicht bis zum berühmten Roten Knopf, der, einmal gedrückt, die Apokalypse der Menschheit hervorrufen kann. Damit es nicht [...]

Von | 28. Oktober, 2017|

not to be hold, not to be saved…

Gala Moody and Michael Carter succeed with "THE VASE" in Krefeld nightreview by Nicole Strecker translated by Veronica Posth   The woman is not to be hold, not to be saved. Medea, the most brutal, most invincible heroine of the Greek myth world, mother and monster, lamentable victim and incomprehensibly vindictive perpetrator. In 2014 the dancer Gala Moody embodied the Medea in Wim Vandekeybus' production "Booty Looting", and it's clear to understand that this woman, elemental force of the present-day and radical 'border-breaker' of the love-idea, doesn't let go. A year later, Moody and her partner Michael Carter, developed "The Vase" which is a piece about a couple in permanent mode of eternal power-struggle, like Medea and her husband [...]

Von | 25. Oktober, 2017|

… a concentrate of meditative calm and dance poetry!

„Musiques et Mots pour Emmanuel“ at Festival „Move!“ in Krefeld nightreview by Bettina Trouwborst translated by Veronica Posth   With Raimund Hoghe, the festival 'Move!' 16th Krefeld Days for Modern Dance, hosts a prominent choreographer of the free scene. Hoghe lives in Düsseldorf and Paris. In France the melancholic master of danced minimalism has been celebrated as a star for decades. Since he received the top promotion of the country in NRW - five years ago - the 1.54 meter small dance artist, author, filmmaker and former dramaturge of Pina Bausch and his works are delightedly shown. At the Heeder Factory, he shows "Musiques et Mots pour Emmanuel", a tribute to the French dancer Emmanuel Eggermont on the occasion [...]

Von | 24. Oktober, 2017|

Heißkalter Liebeskampf

„The Vase“ von Cie. Ofen beim Festival Move! in Krefeld Von Nicole Strecker Die Frau ist nicht zu halten, nicht zu retten. Medea, die brutalste, unbezwingbarste Heroine der griechischen Mythenwelt, Mutter und Monster, beklagenswertes Opfer und unfassbar rachsüchtige Täterin. 2014 gab die Tänzerin Gala Moody die Medea in Wim Vandekeybus' Produktion „Booty Looting“, und man kann gut verstehen, dass diese so urgewaltig-heutige Frau, ihr grenzensprengend-radikaler Liebesbegriff sie nicht losgelassen hat. Ein Jahr später entwickelten Moody und ihr Partner Michael Carter „The Vase“: Ein Stück über ein Paar im ewigen Machtkampf-Modus wie einst Medea und ihr Gatte Jason. Wer manipuliert hier wen? Moody und Carter gelingt es großartig, das emotionale Kräftemessen zwischen Mann und Frau klischeefrei, weil mit heißkaltem Kalkül [...]

Von | 22. Oktober, 2017|

Konzentrat meditativer Ruhe und tänzerischer Poesie

„Musiques et Mots pour Emmanuel“ beim Festival „Move!“ in der Fabrik Heeder Nachtkritik von Bettina Trouwborst Mit Raimund Hoghe gastierte bei dem Festival „Move! 16. Krefelder Tage für modernen Tanz“ ein prominenter Choreograf der freien Szene. Hoghe lebt in Düsseldorf und Paris. In Frankreich wird der melancholische Meister des getanzten Minimalismus' seit Jahrzehnten als Star gefeiert. Seit er in NRW die Spitzenförderung des Landes erhält – also seit fünf Jahren –, sieht man den 1,54 Meter kleinen Tanzkünstler, Autor, Filmemacher und ehemaligen Dramaturgen von Pina Bausch und sein Werk erfreulicherweise häufiger. In der Fabrik Heeder zeigte er jetzt „Musiques et Mots pour Emmanuel“, eine Hommage an den französischen Tänzer Emmanuel Eggermont anlässlich ihrer zehnjährigen Zusammenarbeit. Das Tanzstück, uraufgeführt 2016 [...]

Von | 21. Oktober, 2017|

IMPRESSIONEN VON „BUILT FOR IT“

VIDEOIMPRESSIONEN DER ERÖFFNUNGSPERFORMANCE DES 16. "MOVE!" FESTIVALS -BUILT FOR IT - BackBone/Alida Dors, Amsterdam BUILT FOR IT 14.10. Samstag ● 20 Uhr ● Studiobühne I – Fabrik Heeder   Choreographie: Alida Dors ● Tanz: Pom Arnold, Bilal Bachir, Donna Chittick, Angelo Pardo, Angeelo Lindeborg, Liza Panjoel und Joek Tijsen ● Spoken word: Typhoon Am Anfang steht der Hip Hop. Sein Rhythmus, seine Wut und seine Kraft. Von dort aus entwickelt sich die tänzerische Arbeit von Alida Dors und ihrer Compagnie BackBone und trifft auf zeitgenössische Elemente sowie ein außergewöhnliches Kostümbild. Es entsteht eine kraftvolle Collage aus urbanem Tanz und Musik über Hoffnung und das Streben nach der eigenen Stimme. Dabei sucht Dors immer wieder nach neuen, ungewohnten Ausdrucksformen. „Built [...]

Von | 16. Oktober, 2017|

DAS KREFELDER „MOVE!“ FESTIVAL IST ERÖFFNET

Compagnie BackBone/Alida Dors aus Amsterdam mit ihrer Produktion BUILT FOR IT Ein Nachtkommentar von Klaus Dilger Mit interessanten und sensiblen Redebeiträgen, die Gesellschaft, Politik und Kunst gleichermaßen berührten, eröffneten Festivalleiter Jürgen Sauerland-Freer, Dr. Hildegard Kaluza vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner von der Kunststiftung NRW das 16. Festival für zeitgenössischen Tanz "MOVE!" in der Krefelder Fabrik Heeder. Neben Werken von Choreografen aus NRW präsentiert "MOVE!" in den kommenden Wochen auch Arbeiten aus einem weiteren, zumeist europäischen Gastland,  in diesem Jahr aus den Niederlanden. Hieraus resultierte für die Compagnie BackBone/Alida Dors aus Amsterdam mit ihrer Produktion BUILT FOR IT das Privileg der Eröffnung und sie zeigte, wie sich mit minimalsten choreografischen Mitteln und Ideen und ebensolchem Vokabular [...]

Von | 14. Oktober, 2017|