• Anmut und Würde - Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Cooperativa Maura Morales kann überzeugen

Eine eindrucksvolle Open-Air Inszenierung im Schönwasserpark

Uraufführung „Anmut und Würde“ in Krefeld
Cooperativa Maura Morales choreographiert für die Reihe „MOVE! in town“ und weckt höchste Erwartungen für die Premiere der Theaterversion bei MOVE! im Herbst in der Fabrik Heeder!

NACHTKRITIK VON KLAUS DILGER

Am Freitag den 13.Juli um 20 Uhr gab es ein Wiedersehen mit der Cooperativa Maura Morales für die Krefelder Tanzliebhaber.

Nachdem die kubanische Choreographin, die mit ihrem Partner, dem Komponisten und Musiker Michio Woirgardt in Düsseldorf arbeitet, bereits mit „Sisyphos war eine Frau“ in der Fabrik Heeder Premiere feierte und nicht nur das Publikum begeisterte, erhielt sie nun den Auftrag für eine neue Kreation im Rahmen des Festivals „MOVE!“, die am 20. Oktober auf der Bühne des Nordrhein-Westfalen Mittelzentrums für Tanz Premiere feiern wird.

Maura Morales gelingen zwischen den mächtigen Platanen des Schönwasserparks in Krefeld, die die wunderbare Kulisse für das diesjährige Format „MOVE! in town“ bilden, in ihrer Produktion „Anmut und Würde“, getanzte Metaphern von stupender Logik und Überzeugungskraft. Dünne, zwischen den Stämmen gespannte, Bahnen aus Plastikfolie schaffen Räume und grenzen gleichzeitig aus. Plastik verpackt Natur – nicht nur die Pflanzen, sondern oft genug auch die  glänzend agierenden Tänzerinnen.

Giorga Conte, Valentina Militano und Laura Colombo vom Balletto di Calabria wirbeln mit einer kompromisslosen Vehemenz und technischem Können barfuß über die Rasenflächen dieses öffentlichen Raums, als wären diese unberührte, wilde Natur.

Anmut und Würde - Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Anmut und Würde – Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Maura Morales verlagert mit ihren, bereits erstaunlich ausgereiften, choreographischen Strukturen und Bewegungsfolgen immer wieder das Geschehen, so dass das ausserordentlich zahlreich erschienene Publikum diesem nur folgen kann, indem es den Tänzerinnen nacheilt und so selbst Teil der Choreographie wird. Die Geschwindigkeit in der dies geschieht, lässt das Publikum zur hetzenden Meute werden und die Tänzerinnen zu gejagten Wesen, die immer wieder aufs Neue gestellt werden, bis eine von ihnen ausbricht und umgekehrt das Publikum in einem, aus ihr herausbrechenden Schwall italienischer Wortkaskaden stellt und ihren „Gegenangriff“ doch gleichzeitig, mit einer Sonnenblume in der Hand, zur Friedensgeste überführt.

Dass der bis dahin mitreissende Schwung an dieser Stelle etwas ins Stolpern zu geraten droht, mag an der Unkenntnis der italienischen Sprache bei manchem der so angesprochenen Betrachter liegen, auch wenn die Choreographin hier vielleicht bewusst mit dem reflexhaften Unverständnis gegenüber allem Fremden spielt.

Anmut und Würde - Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Anmut und Würde – Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

„Anmut und Würde“ kennt auch viele leise, sehr feine Sequenzen, so wie zu Beginn, als eine Frau in dunkelblauem Licht Eins zu werden versucht mit einem halbhohlen Platanenstamm, während eine andere mit plastikverpacktem Gesicht und Sonnenbrille auf ihrer Picknickdecke versucht einen Cocktail zu schlürfen – ein Bild zu dem das Stück am Ende zurückkehren wird. Oder etwa, wenn der Komponist Michio Woirgardt eine Tänzerin mit Plastikfolie an einen Baum fixiert, gegen den sie sich gelehnt hat, nachdem sie ihre beiden Mittänzerinnen in deren Umarmung mit der transparenten Hülle aneinander geschweisst hatte und nun deren Befreiung beobachtet. Eindrucksvoll, wie hier das Atmen und das Geräusch der gespannten Folie verstärkt und zu einem künstlichen „Herzschlag“ oder einer plastifizierten Lebensfrequenz mutieren. Es sind oft kleine Gesten, die in ihrer Intimität so Vieles transportieren, wie etwa wenn eine der Frauen versuchen will einer Anderen dabei zu helfen, sich aus den transparenten Fesseln zu befreien und dabei mit einer einzigen Bewegung daran gehindert wird – ein jeder muss sich wohl alleine befreien, um frei zu sein.

Michio Woirgardt schafft es mit seiner live eingespielten Komposition hervorragend, dem etwa einstündigen Tanzereignis gleichzeitig eine vielschichtige Dichte und pulsierenden Drive zu verleihen.

Langanhaltender Applaus des grossen Publikums waren der verdiente Lohn für eine bemerkenswerte choreographische und tänzerische Leistung und ein Gesamtwerk, das so noch einmal am 21.Juli, ebenfalls um 20 Uhr zu sehen sein wird.

Anmut und Würde - Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Anmut und Würde – Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Maura Morales sagte im Vorfeld, sie freue sich auf die Herausforderung die in der Gegensätzlichkeit der Orte liegt, wenn diese Produktion dann weiter entwickelt wird und im Oktober, im Rahmen des Festivals „MOVE!“ auf der grossen Bühne der Fabrik Heeder zur Uraufführung gelangen wird.

Das Format „MOVE! in town“ wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW im Rahmen der „Mittelzentrenförderung Tanz“ für das Kulturzentrum Fabrik Heeder.

Die Veranstaltung ist ein Beitrag des Kulturbüros zur Initiative „Krefelder Perspektivwechsel“.

Produktion : Cooperativa Maura Morales, Düsseldorf – Co-Produktion : Balletto di Calabria – Konzept und Choreographie : Maura Morales – Tanz : Giorgia Conte, Valentina Militano, Laura Colombo – Komposition , L ivemusik : Michio Woirgardt

Eine Produktion im Auftrag des Kulturbüros der Stadt Krefeld.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

NOCH EINMAL SAMSTAG, 21. JULI 2018, 20 UHR. – IM PLATANENHAIN HINTER DEM ZENTRUM FÜR SCHULPRAKTISCHE LEHRERAUSBILDUNG, JOHANSENAUE 3, 47809 KREFELD, SCHÖNWASSERPARK

Anmut und Würde - Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Anmut und Würde – Cooperativa Maura Morales ©TANZweb.org Klaus Dilger

Von | 2018-07-18T14:17:08+00:00 17. Juli, 2018|