• Adolphe Binder Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger

Vorstellung der Spielzeit 2017 | 2018

ADOLPHE BINDER UND DAS

TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

Die neue Intendantin und Künstlerische Leiterin, Adolphe Binder, stellte am vergangenen Freitag die 44. Spielzei des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch vor.

Mit Spannung erwartet und daher von einem grossen Medien-Aufgebot begleitet, konkretisierte Binder nicht nur die Eckpfeiler der kommenden Spielzeit, die gleichzeitig ihre erste sein wird, sondern skizzierte auch die inhaltlichen und strukturellen Elemente ihrer Intendanz für die kommenden Jahre. (Ihr Vertrag läuft vorläufig bis zum 31.7.2022)

„Ich bin aufgeregt“, bekannte die erfahrene Kulturmanagerin, die 1969 in Rumänien geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist. In Hannover und Harvard hat sie Deutsche Literatur, Geschichte und Politische Wissenschaften studiert und in 2002 bis zur Auflösung in 2004 die künstlerische Leitung des Berlin Balletts der Komischen Oper Berlin übernommen. Seit 2011 übte sie diese Position an der „GöteborgsOperans Danskompani“ aus.

(Siehe auch Pressekonferenz des letzten Jahres)

Binder bekannte sich gleich eingangs der Pressekonferenz zur Kontinuität, indem sie betonte, „den Kern werden immer die Arbeiten von Pina Bausch bilden“ und „man braucht schon einen sehr guten Grund,  warum man überhaupt etwas zu diesem phänomenalen Werk hinzufügen möchte“, und sie bekennt sich ebenso eindeutig zu ihrem herausragenden Ensemble: „Das gibt es sonst nirgendwo, dass ein Tanzensemble aus drei Generationen besteht“.

Sie ist sich bewusst, dass hierin auch eine grosse Herausforderung liegt und nennt das Beispiel der Wiederaufnahme von „ARIEN“, die bereits als erste Produktion in ihrer Intendanz angesehen werden darf, wo Künstler aufeinandertreffen, die bereits seit Jahrzehnten dabei sind und solche, die gerade erst dazugekommen sind.

Eine Herausforderung, die es auch für die Wiederaufnahmen in Wuppertal zu meistern gilt: „ 1980 – Ein Stück von Pina Bausch“ aus dem Jahr 1980 (im November 2017), „Die sieben Totsünden“ aus dem Jahr 1976 (im Januar 2018) und „Masurca Fogo“, 1998 entstanden (im März 2018), das einzige Stück der Wiederaufnahmen im Übrigen, zu dem zum jetzigen Zeitpunkt die Besetzungsliste bekannt gegeben wurde.

Bereits in der kommenden Woche wird das gesamte, 37 Tänzerinnen und Tänzer umfassende Ensemble in einem gegenseitigen „Kennenlern-Workshop“ dann mit den beiden Künstlern zusammentreffen, die erstmals je eine abendfüllende Kreation mit dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch erarbeiten werden, die nicht von der Gründerin und Namengeberin stammt und die zusammen mit dem 46 Stücke umfassenden Werk der Choreographie-Ikone in das Repertoire der Compagnie eingehen sollen.

Der aus Griechenland stammende Dimitris Papaioannou* und der Norweger Alan Lucien Øyen**, die wir den Lesern jeweils getrennt vorstellen wollen, werden im Mai, bzw. Juni 2018 mit jeweils maximal dem halben Ensemble in Wuppertal dann „Neues Stück I“ und „Neues Stück II“ präsentieren.

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Angesichts der insgesamt 10 Produktionen und rund 70 Aufführungen weltweit in der kommenden Spielzeit, sowie des ebenfalls zeitintensiven Prozesses, um „die Vermischung der Compagnie hinzubekommen“, wie Adolphe Binder den Prozess des Zusammenwachsens der langjährigen Mitglieder mit den fünf Neuen nannte, die in 2017 hinzu gekommen sind, bleiben den beiden Choreographen, die das Ensemble noch nicht kennen, jeweils insgesamt neun Wochen für die Erarbeitung ihrer abendfüllenden Kreationen, einschliesslich der Endproben.

Dies ist eine gewaltige Herausforderung, auch für eines der renommiertesten Tanztheater Ensembles der Welt.

Ob sich hierbei die Erfahrung mit dem dreiteiligen Tanzabend „Neue Stücke“ aus dem Jahr 2015, der bei Publikum und Medien zwischen „künstlerisch wenig überzeugend“ bis hin zu „desaströs“ eingestuft wurde, als positiv erweisen wird, bleibt abzuwarten. Für die neue künstlerische Leiterin, in deren Ägide an der „GöteborgsOperans Danskompani“ zwischen 2011 und 2017 50 neue Produktionen entstanden sind, darunter 30 Uraufführungen und 6 grosse partizipative Projekte,  war dies „ein wichtiger Versuch, ein Eisbrecher“.

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

„Neben den Wiederaufnahmen und Präsentationen des Oeuvres von Pina Bausch, das noch heute in seiner ästhetischen und thematischen Zeitlosigkeit die Tanzkunst prägt und der Erarbeitung neuer Stücke, beginnt die künstlerische Leiterin bereits in der neuen Spielzeit unter dem Titel „Feuer und Flamme“ mit der Entwicklung von neuen Formaten für Wuppertal:

Feuer & Flamme steht für kreativen Austausch und zielt auf gesellschaftliche und künstlerische Heterogenität. Das Spektrum reicht von einem choreografischen Recherche-Labor des Ensembles, Workshops für Profis und Laien und Begegnungen mit Künstler*innen über die Teilhabe an künstlerischen Prozessen, interdisziplinäre Programmreihen und Diskussionsforen bis hin zu ortsspezifischen Aktionen, Jugendprojekten und Hausbesuchen des Ensembles. Die Lust, sich im Austausch mit Mitmenschen und Akteur*innen der Kunst und Kulturszene über Grenzen hinwegzusetzen, sich gegenseitig zu ermutigen und zu inspirieren, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Neugierde auf Unbekanntes und die Begeisterungsfähigkeit für das »Spiel«.

Feuer & Flamme versteht sich als Plattform für Vermittlung und die aktive Beteiligung an Tanz, an Theater: für Experimentierfreudige, Tanzfreund*innen und Künstler*innen.“ (Zitat Programmheft)

Dies wirft die Frage auf, inwieweit Adolphe Binder eingebunden ist in die Entwicklung und Vorbereitung des „PINA BAUSCH ZENTRUMS“, dessen Eröffnung für 2022, spätestens 2024 geplant ist, und sie dieses inhaltlich und strukturell in ihren Planungen mitdenkt:

„Für mich war das PINA BAUSCH ZENTRUM ein essentieller Moment, weshalb ich hierher gekommen bin…. Es gibt jetzt schon programmatische Dinge, die darauf hinzielen.“

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

©TANZweb.org_Dirk Hesse

Und Geschäftsführer Dirk Hesse ergänzt: „Die Spielzeit zeigt sehr gut auf, wohin das Tanztheater sich entwickeln wird“ und verweist auch auf das Vertrauen langjähriger Begleiter des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, das SADLER‘S WELLS in London und das THÉÂTRE DE LA VILLE in Paris, das ganz maßgeblichen Anteil hatte am Überleben des Ensembles in den Anfangsjahren von Pina Bausch. Beide Institutionen werden die Neuen Stücke als Co-Produzenten begleiten und in ihren Häusern zur Aufführung bringen.

Für Adolphe Binder leitet sich die Verpflichtung und auch die Zuversicht zum lange ersehnten Aufbruch des Tanztheaters nach dem Tod seiner genialen Schöpferin im Jahr 2009 aus dessen Wurzeln selbst ab:

„Seit Anbeginn steht es für Wildheit, Weisheit, schöpferische Erkundung und Hingabe in Leidenschaft. Des Fragens nicht müde werdend und unausgesetzt mehr Freiheit einfordernd, verbindet sich für mich mit seiner Tradition die konstante Neugierde und Courage.

„Manchmal können wir etwas nur dadurch klären, dass wir uns dem stellen, was wir nicht wissen. Und manchmal bringen uns die Fragen, die wir haben, zu Erfahrungen, die viel älter sind…“. Die Geisteshaltung Pina Bauschs verlangt nach Expedition, Entgrenzung und Wissbegier auf das, was Menschen bewegt. Sie ist für uns Eingebung und Motor, ein Ansporn, fremde Wege zu beschreiten und mit neuen Augen zu sehen.

Das kreative Spiel erzeugt eine eigene Wirklichkeit: die der Möglichkeiten. Die Saison 2017–18 verbindet daher bahnbrechende Werke Pina Bauschs aus diversen Schaffensphasen erstmalig mit zwei neuen abendfüllenden Stücken der transdisziplinär arbeitenden Künstler Dimitris Papaioannou und Alan Lucien Øyen und Teams. Auf den Bühnen von Wuppertal bis New York, von Taipeh bis Paris agiert ein legendäres Ensemble von Tänzer*innen aus drei Generationen und neunzehn Ländern, manche seit Jahrzehnten Teil des Ensembles, andere neu dabei.

Folgen Sie uns beim Weiterreichen der Glut. Und der Streichhölzer! Ich freue mich auf Sie und unsere erste gemeinsame Saison!“ (Zitat Programmheft)

WWW.PINA-BAUSCH.DE

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Pressekonferenz o6/2017 Tanztheater Wuppertal Pina Bausch_Adolphe Binder ©TANZweb.org_Klaus Dilger_Arien

Produktionen in Wuppertal: 1980 – Ein Stück von Pina Bausch, Die sieben Totsünden, Masurca Fogo,Neues Stück I, Neues Stück II, Feuer und Flamme

Produktionen Weltweit: Café Müller, Das Frühlingsopfer, Viktor, Nelken, Neues Stück, Nefés

Gastspielorte: New York, Ottawa, Oslo, Amsterdam, Antwerpen, Taipeh, Taichung, Paris

Dimitris Papaioannou Neues Stück I ©Julian Mommert

Dimitris Papaioannou Neues Stück I ©Julian Mommert

*Dimitris Papaioannou

“I am astonished that life has led me here. And honoured. To create alongside artists who touched me to tears when I was only 20 years old. Artists I have followed, in love, ever since. My first taste of a live masterpiece was Pina Bausch performing. Life changed forever. I am thankful for the trust and will give my all to try and rise to the challenge.”

This will be Dimitris’ first creation for anyone else.

Das Neue Stück I ist die erste abendfüllende Kreation eines Gastchoreographen für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und für Dimitris Papaioannou die erste Arbeit für ein anderes Ensemble.

1964 in Athen geboren und von Haus aus bildender Künstler, feierte Dimitris Papaioannou seine ersten Erfolge als Maler und Comiczeichner, bevor er sich mehr und mehr der darstellenden Kunst widmete und als Regisseur, Choreograf und Performer sowie als Bühnenbildner, Kostüm- und Lichtdesigner arbeitete. 1986 gründete er das Edafos Dance Theatre, das die griechische Kunstszene nachhaltig prägte. Internationale Bekanntheit erlangte Papaioannou, als er die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Sommerspiele in Athen 2004 inszenierte. Das Universum, das Papaioannou seit dreißig Jahren auf der Bühne zu erschaffen versucht, lässt sich als traumähnlicher, absurder Zirkus beschreiben. Menschliche Körper werden zum Schlachtfeld,

interagieren mit rohem Material, verschmelzen zu Hybridwesen und bringen optische Täuschungen hervor. Seine insgesamt 23 Produktionen decken die gesamte Bandbreite von intimen Stücken bis hin zu Großereignissen mit mehreren Tausend Darstellern ab. Er tourte durch Europa, Südamerika und Asien.

Neues Stück II | Eine Kreation von Alan Lucien Øyen | Tanztheater Wuppertal Pina Bausch | UA 2. Juni 2018

Neues Stück II | Eine Kreation von Alan Lucien Øyen | Tanztheater Wuppertal Pina Bausch | UA 2. Juni 2018

**Alan Lucien Øyen

I’ve been asked to create a full-length work for Tanztheater Wuppertal Pina Bausch
My hands are trembling…
It’s an absolute privilege to be allowed to create together with the inspirational artists that are the legacy of Pina Bauch. Adolphe Binder, I promise to do my utmost.

I’m entirely humbled by this incredible honor.

Alan Lucien Øyen 

ist preisgekrönter norwegischer Choreograf, Regisseur und Dramatiker,

erkundet in seiner Arbeit Grenzen und Zwischenräume im Zusammenspiel von Tanz, Theater, Text und Film. Stets auf der Suche nach authentischen menschlichen Ausdrucksformen und durch einen subtil-cineastischen Stil berühren Øyens Arbeiten vor allem durch echte Interaktionen zwischen Menschen und Orten. Mit seinen groß angelegten Inszenierungen, die intimste Momente in Szene setzen, will Øyen die Schlichtheit, Schönheit und Komplexität menschlicher Erfahrung widerspiegeln.

Von | 2018-07-21T07:48:57+00:00 11. Juni, 2017|