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HUMANHOOD ist eine Entdeckung

Die spanisch britische Compagnie überzeugt mit exzellenten Tänzerinnen und Tänzern und einem Anliegen, das den Kern der Kunstform nicht behauptet sondern lebt.

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Das Stück ist konsequent um ein Bewegungsprinzip herum gebaut: Rotation. Spiralen durchziehen die gesamte Choreografie, nicht als ornamentales Zitat, sondern als strukturbildendes Element. Drehungen und Wirbel entstehen aus dem Zentrum der einzelnen und des kollektiven Körpers, Nichts wird abgebrochen, kaum eine Bewegung endet, alles wird weitergeführt, umgelenkt, aufgenommen. Das erzeugt einen kontinuierlichen Fluss, der den Titel ernst nimmt.

Die sieben Tänzerinnen und Tänzer arbeiten auf hohem Niveau – weniger durch Virtuosität im klassischen Sinne als durch Präzision in Timing und Ausrichtung. Auffällig ist die Disziplin im Ensemble: Richtungswechsel, Tempi und räumliche Verschiebungen sind exakt aufeinander abgestimmt, ohne je mechanisch zu wirken. Immer wieder lösen sich Einzelne aus der Gruppe, nur um kurze Zeit später wieder in kollektive Formationen zurückzufinden. Dieses Spiel von Individuum und Gruppe bleibt klar lesbar und choreografisch stringent.

In seiner Anlage und Qualität erinnert Vortex durchaus an Arbeiten von Hofesh Shechter, allerdings ohne dessen eruptive Wucht politischer Bilder, wohl aber in den Bewegungsqualitäten seiner Performer. Humanhood setzt nicht auf Kontraste oder dramatische Brüche, sondern auf Verdichtung. Die Energie wird nicht entladen, sondern zirkuliert. Das kann über die Dauer hinweg eine gewisse Gleichförmigkeit erzeugen – zugleich ist es genau diese Konsequenz, die das Stück trägt.

VORTEX_HUMANHOOD©TANZweb.org

VORTEX_HUMANHOOD©TANZweb.org

Überzeugend auch das Lichtdesign, das integraler Bestandteil der Choreografie ist. Es strukturiert den Raum, bündelt die Bewegung, setzt klare visuelle Akzente und verstärkt die Wahrnehmung der Drehbewegungen. Live entsteht daraus eine starke Sogwirkung; gleichzeitig zeigt sich hier auch eine Grenze: Diese Qualität ist kaum direkt übertragbar, die Arbeit entzieht sich weitgehend der medialen Dokumentation. Dennoch hoffen wir, mit unseren Videoimpressionen einen überzeugenden Eindruck dieser exzellenten Compagnie vermitteln zu können.

Was Vortex auszeichnet, ist die Klarheit seiner Setzung. Humanhood verzichtet auf narrative Überfrachtung und vertraut auf die Kraft eines präzise entwickelten Bewegungsvokabulars. Dass dahinter ein programmatischer Anspruch steht – Bewegung als universelle Praxis zu begreifen – bleibt spürbar, ohne in den Vordergrund gedrängt zu werden.

Das Publikum in Aachen reagierte entsprechend: konzentriert, aufmerksam, am Ende deutlich begeistert. Nicht, weil das Stück Effekte sucht, sondern weil es eine konsequent durchgearbeitete choreografische Idee sichtbar macht.

Tanz, der nicht behauptet, sondern berührt, weil er sich überträgt.

Humanhood ist eine Entdeckung für das Festival!

VORTEX_HUMANHOOD©TANZweb.org

VORTEX_HUMANHOOD©TANZweb.org