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Hirtengott und Teufel….oder die Natur der Dinge an sich…

Hätte der Herr am Plattenteller mitgespielt, es hätte noch ewig so weitergehen können, doch die Aufforderungen “…another one!” des jungen Mannes in schickem Sakko und in Mitten der wohlgelaunten Gäste bleibt unerhört. Dabei war er gerade erst in Schwung gekommen, die mitgesungenen Liedzeilen präziser geworden in Text und Stimmlage, der erste Schoß gefunden zum Verweilen, zum Küssen nicht abgeneigt war da so mancher Mund und zum Lachen sowieso im roten Licht des Artheater Clubs in Ehrenfeld – das Rot einer Dunkelkammer!

PANremastered betitelt Emanuele Soavi diesen Ort, der in aller gebotenen Langsamkeit ein gestochen scharfes Antlitz dieses Wesens nach dem Anderen aus den Entwickler- und Fixierschalen dieses Fotolabors zieht, der doch nichts anderes ist, als die Hölle selbst.
Dieser Ort kennt keine Mauern und Wände, er ist das Nichts, das Live DJ Stefan Bohne mit seinen Sounds im ersten Teil des Abends als dröhnende Abyss entstehen lässt, in die PAN die selbsterschaffenen Figuren gleiten lässt, nachdem er sich an ihnen befriedigt hat. Zurück bleibt nichts als die Leere.

Soavi nennt seine Mythenfigur „Entertainer und Terrorist“. In der Geschichte wurde sie sowohl als Hintengott wie auch als Teufel gehandelt. Dem Hirtengott wie dem Publikum muss es als Martyrium erscheinen, wenn sie nach und nach erkennen, dass die himmlisch anmutende Komposition des ebenfalls live einspielenden Wolfgang Voigt nichts anderes ist als der Abgrund zuvor. Verführer und Verführte – einsam sind sie allemal!

Tosender Applaus im Artheater für diese aussergewöhnliche Musik-Performance-Session, die den Auftakt bildete für die Gesamtschau von Emanuele Soavis Mythentrilogie.

PAN/remastered am 12.09. im Kölner Artheater. Zusammen mit Wolfgang Voigt – Komponist und Gründer des Labels KOMPAKT – sowie dem DJ Stefan Bohne
Choreographie und Tanz: Emanuele Soavi