(RH)EINFACH Festival:

Momentum – CocoonDance

Am 5.Oktober um 20 Uhr in der tanzfaktur Köln

CocoonDance
“Momentum” verbindet Tänzer und Zuschauer, über den Bewegungssinn spürbar in einem gemeinsamen Raum. Tänzer wie Zuschauer nehmen die sich steigernde Energie, ebenso wie die zunehmende Erschöpfung auf und lassen sie zum konstituierenden Moment der Inszenierung werden. Zusammen mit dem DJ Franco Mento, dem Lightdesigner Marc Brodeur untersuchen Rafaële Giovanola und ihre Tänzer Alvaro Esteban, Werner Nigg und Andi Xhuma, wie schon in den vorangegangenen Produktionen „Pieces Of Me“ und „What About Orfeo?“ die Verbindungen, Gemeinsamkeiten und Schwellenbereiche von Bewegung und Bewegtheit.

„Erschöpft sein heißt sehr viel mehr als ermüdet sein. Der Ermüdete verfügt über keinerlei subjektive Möglichkeit mehr, er kann also gar keine objektive Möglichkeit mehr verwirklichen. Die Möglichkeit bleibt jedoch bestehen, denn man verwirklicht nie alle Möglichkeiten, man schafft sogar in dem Maße, wie man sie verwirklicht, neue. Der Ermüdete hat nur ihre Verwirklichung erschöpft, während der Erschöpfte alles, was möglich ist, erschöpft. Der Ermüdete kann nichts mehr verwirklichen, der Erschöpfte hingegen kann keine Möglichkeiten mehr schaffen.“
(Gilles Deleuze, L‘Épuisé/ Erschöpft. Essay, Frankfurt/M. 1996)

„Moderne Gesellschaften sind durch eine systematische Veränderung der Zeitstrukturen charakterisiert, die sich unter den Sammelbegriff der Beschleunigung bringen lässt. Man kann den Beschleunigungsprozess auch verstehen als unaufhebbare Eskalationstendenz, die ihre Ursache darin hat, dass sich die gesellschaftliche Formation der Moderne nur dynamisch stabilisieren kann. Das bedeutet, dass die moderne, kapitalistische Gesellschaft sich immerzu ausdehnen, dass sie wachsen und innovieren, Produktion und Konsumtion steigern, Optionen und Anschlusschancen vermehren, kurz: dass sie sich beschleunigen und dynamisieren muss, um sich selbst kulturell und strukturell zu reproduzieren, um ihren formativen Status quo zu erhalten. Dynamisierung in diesem Steigerungssinn bedeutet, dass sich unsere Beziehung zum Raum und zur Zeit, zu den Menschen und zu den Dingen, mit denen wir umgehen, und schließlich zu uns selbst, zu unserem Körper und unseren psychischen Dispositionen, fundamental verändert.“
(Hartmut Rosa, Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung, Frankfurt 2016)